Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder
von Mag. Helga Paul | Montag, 10. Oktober 2011
Die Impfung ist eine vorbeugende Maßnahme gegen verschiedene virale und bakterielle Infektionskrankheiten und wird deshalb auch Schutzimpfung genannt.
Um den menschlichen Organismus gegenüber fremden Mikroorganismen unempfindlich zu machen, stehen zwei grundsätzliche Möglichkeiten zur Verfügung:
- aktive Impfung oder Immunisierung
- passive Immunisierung
Die aktive Immunisierung bedeutet also, dass der Körper eine aktive Leistung zustande bringen muss. Der Impfstoff wird in Form abgeschwächter, abgetöteter oder in Bruchstücke zerlegter Krankheitserreger in den Körper eingebracht. Ziel dieser Impfung ist es, das körpereigene Immunsystem zur Bildung spezifischer Antikörper anzuregen und so eine spezifische Immunität gegen die entsprechenden Infektionskrankheiten zu bewirken.. Der Organismus braucht für den Aufbau dieses komplizierten Schutzes allerdings einige Wochen. Das gesamte Immunsystem bleibt auf Trab und bildet meist bereits nach einer Impfung ein Erinnerungsvermögen auf, sodass bei einem späteren Kontakt mit demselben Krankheitserreger sofort Abwehrstoffe in größerer Menge bereitgestellt werden können. Eine aktive Immunisierung könnte auch durch die Erkrankung selbst erfolgen, eventuell sogar symptomlos.
Bei einer passiven Immunisierung hingegen wird mit Impfserum geimpft, welches die passenden Antikörper gegen die betreffenden Krankheitserreger bereits in hoher Konzentration enthält. Die Abwehrstoffe neutralisieren die Erreger und die Krankheit ist somit vermieden. Allerdings hat die passive Immunisierung zwei Schwächen: sie wirkt nur ganz kurz ( wenige Wochen ), und bei vielen Erkrankungen existieren einfach keine Präparate mit Abwehrstoffen. Als Stärke bei einer möglichen Form ist allerdings der schnelle Wirkungseintritt genannt. Man unterscheidet homologe Antikörper vom Menschen und heterologe von einer anderen Spezies z.B. dem Pferd stammend, die durch das artfremde Eiweiß natürlich ein erhöhtes Risiko der allergischen Reaktion mit sich tragen.
Um einigen Krankheitserregern z.B. Tetanus nach einer Verletzung beizukommen benutzt man die beiden Methoden gleichzeitig in Form einer Simultanimpfung.
Neben der individuellen Immunität des Einzelnen können hohe Durchimpfungsraten in der Bevölkerung zusätzlich zu einer kollektive
Immunität, sogenannte Herdenimmunität, beitragen. Hierdurch werden auch nicht geimpfte Personen wie Säuglinge oder Senioren und immunschwache Personen von der Erkrankung geschützt, obwohl sie selber nicht geimpft sind und dagegen nicht immun sind.
Umfassende Impfprogramme im letzen Jahrhundert haben wesentlich zur Einschränkung verschiedener Infektionskrankheiten beigetragen. Pocken sind eigentlich ausgerottet, Kinderlähmung stark zurückgedrängt.
Arten von Impfstoffen
Antigene, das sind jene Strukturen eines Erregers, die im Organismus die Bildung von Antikörpern, den Abwehrkräften, hervorrufen, müssen in einem Impfstoff optimal verpackt werden, damit eine ideale Antwort des Immunsystems erfolgt. Die Ausbildung der Immunantwort soll in der Regel schützende Abwehrstoffe bringen und darf nicht krankmachen. Man unterscheidet zwischen
- Lebendimpfstoffen:
Es sind dies Impfstoffe, die einen lebenden oder vermehrungsfähigen Keim enthalten, der Impfstoff wird seiner krankmachenden Eigenschaften beraubt, die Eigenschaften, die zur Auslösung einer schützenden Immunantwort nötig sind, bleiben erhalten. Sie haben den Vorteil, dass die ausgelöste Immunantwort der natürlichen Abwehr sehr ähnlich ist und der Schutz nach Lebendimpfstoffen besonders hochwertig ist und lange anhält.
Beispiele von Lebendimpfungen sind Masern-, Mumps- Rötelimpfungen. Varizellen.
- Totimpfstoffen:
Allen Totimpfstoffen gemeinsam ist, dass entweder ganze, abgetötete Erreger oder Teile von diesen, jedenfalls aber kein vermehrungsfähiges Material mehr verwendet wird. Es wird also dem Organismus nur eine ganz bestimmte Menge von antigenem Material zugeführt und damit auch nur eine sehr deutlich kontrollierbare Immunabwehr ausgelöst. Um das Immunsystem auf Trab zu bringen werden bei Tetanus zum Beispiel Wirkverstärker eingesetzt, die die unerwünschten Impfreaktionen wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle hervorrufen.
Alle Impfstoffe der 6erImpfung sind Totimpfstoffe.
Kombinierbarkeit der Impfungen:
TOTIMPFSTOFFE können ohne zeitliches Intervall verabreicht werden.
LEBENDIMPFSTOFFE können am gleichen Tag verabreicht werden, entschließt man sich zu einer zeitlich versetzten Gabe, muss ein Abstand von 4 Wochen eingehalten werden.
LEBEND- und TOTIMPFSTOFFE sind ohne zeitliches Intervall kombinierbar.
Wenn man zum Beispiel den 6fach Impfstoff mit dem Pneumokokkenimpfstoff parallel gibt, verabreicht man dem Kind cirka 60 Antigene und lastet damit 0,00006 % des Immunsystems aus, von Überlastung kann man hier nicht sprechen.
Lebendimpfstoffe sind während einer Schwangerschaft nicht erlaubt, Totimpfstoffe sind nach dem dritten Monat aber kein Problem. In der Stillzeit sind Impfungen generell ohne Einschränkung erlaubt.
Impfreaktionen und Impfnebenwirkungen
IMPFREAKTIONEN sind kurzzeitig, Schmerzen, Spannungen und Schwellungen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Fieberreaktion manchmal nach Keuchhustenimpfung, leichter Ausschlag und Fieber nach Masernimpfung möglich ( bis zu 5% )
IMPFKOMPLIKATION ist dagegen eine über das übliche Ausmaß hinausgehende Folge einer Impfung, zum Beispiel ein allergisch-anaphylaktischer Schock gegen artfremdes Eiweiß.
Bei banalen Infekten kann aber ohne weiteres geimpft werden, allerdings ist es generell besser die Babys am Vormittag zu impfen, um mit den Unbefindlichkeiten besser zurecht zu kommen, beziehungsweise am Wochenanfang damit man bei Rückfragen auch den Arzt erreichen kann.
Abschwächung der Wirksamkeit durch Wechselwirkung mit Fieber- und Schmerzmittel:
Neuere Forschungen deuten daraufhin, dass Impfungen und anschließende Gabe von Paracetamol (Mexalen) die Immunantwort verringert und weniger schützende Antikörper gebildet werden.
Ein kleiner Tipp halbe Stunde vor Verabreichung der Impfung Emla Cerme auf die vorgesehene Einstichstelle auftragen, vermindert Schmerzempfindung.
Nutzen der Impfung ist größer als das Risiko durch die Impfung
Kostenlose Impfprogramme für Kinder bis zum Schuleintritt
Niederösterreich
Repevax 4fach Impfstoff Diphterie-Perussis-Tetanus-Polio
dTP Boostrix 3fach Impfstoff ohne Polio
Hepatitis B
Masern-Mumps-Röteln
Infanrix-Hexa 6fach Impfstoff Diphterie-Pertussis-Tetanus-Polio-Hepatitis B-Haemophilus infl.B
Rotarix gegen Rotaviren, eine schwere Brechdurchfallerkrankung
Burgenland
dTP Boostrix
Repevax
Hepatitis B
Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff
Rotarix
Infranrix hexa
Pneumkokkenimpfung für Risikokinder gratis (Frühgeborene, geringes Geburtsgewicht unter 2500g ) Akionszeitraum von 1.9.2011 bis 31.3.2012
Eventuell wird die Pneumokokken-Impfung nächstes Jahr auch ins Impfprogramm aufgenommen, entsprechende gesetzliche Vereinbarungen sind aber noch nicht fix
Weiter noch zu empfehlende Impfungen
FSME je nach Wohngebiet Aktion von 1.1.2012 bis 31.7.2012
Meningokokken C: In Europa gibt es vor allem B- und C-Stämme, Impfung nur für C möglich, machen etwa 30% der Erkrankungen aus, die aber sehr schlimm verlaufen
Neuer Impfstoff gegen A,C,W135 und Y nur für Jugendliche und Erwachsene
Aktionszeitraum über die Sommermonate
Hepatitis A und B: A wird über Nahrung und Wasser übertragen, B über Blut und Körperflüssigkeiten, verursachen beide Leberentzündungen und erhöhtes Leberzirrhose und Leberkrebsrisiko, Aktion meistens von April bis Juni
Grippe bei Risikopatienten
Gebärmutterhalskrebs für die Jugendlichen
Der Rest fällt eher in die Reisemedizin – Cholera, Typhus, Gelbfieber.
Tags: Kinder und Gesundheit
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